Route 44: Kastrobesteigung

Routencharakter:

Unschwierig, aber anstrengend. Große Höhenunterschiede mit zum Teil weglosem Gelände - nach schneereichen Wintern im Frühjahr nicht möglich.

Wanderstart:

Anfahrt über Ammoudari an der Südseite der Askyfou-Hochebene zur Tavri-Schutzhütte auf der Niatos-Hochebene. Bei der Schutzhütte des Bergsteigervereins Chania (EOS) kann man das Auto (Jeep!) abstellen. Von dort aus in westlicher Richtung um die halbe Ebene herum.

Gehzeiten:

Insgesamt ca. 9 Stunden - Ammoudari - erste Hochebene: 1,5 Std. - erste Hochebene - Straßenende: 1,25 Std. - Wegloser Aufstieg zum Kastro: 2,5 Std. - wegloser Abstieg über den Ostgrat: 2 Std. - Abstieg nach Ammoudari: 1,5 Std.

Höhenunterschied:

ca 1.468m.

Routenanforderung:

Orientierungsvermögen, Trittsicherheit und gute Kondition. Stabile Wetterlage ist ebenfalls Voraussetzung , da sich auf Kreta über 2.000 Meter erhebliche Temperaturstürze ereignen können.

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Routenbeschreibung:

Man kann sich zwar den Aufstieg zur Niatos-Hochebene von Ammoudari aus sparen indem man einfach bis zur Tavri-Schutzhütte hinauffährt, aber hier wird der gesamte Weg beschrieben. Das Dorf Ammoudari liegt auf 740m Höhe. Wir biegen kurz nach dem Dorf in Richtung Chora Sfakion rechts von der Durchgangsstraße ab, die zu einer Kirche führt. Wir folgen dieser Straße und verlassen sie erst in einer engen Linkskurve. Geradeaus weiter geht es auf einem altem Weg in den Wald hinein nach oben. Nach ca. 30 Minuten steigen wir wieder zur Straße hinauf und queren sie. Diese mit geländegängigen Fahrzeugen befahrbare Schotterstraße führt in weitem Bogen bis zur Hochebene hinauf. Wir folgen auf der anderen Straßenseite dem alten Weg durch lichten Kiefern- und Eichenwald in etlichen Serpentinen bis nach oben. Nach einer weiteren halben Stunde kommt man an einer kleinen Lichtung vorbei. Ein Taleinschnitt verdeutlicht den weiteren Aufstieg auf die erste (1.140m hoch) Hochebene. In der Mitte der Ebene folgen wir linkerhand der Fahrstraße, auf die man hier wieder trifft. Diese Schotterstraße zieht sich in einem weiten Bogen zur höher gelegenen zweiten Ebene. Eine Wegverzweigung führt zur Berghütte des EOS in ca. 250m Entfernung. Zu Beginn der zweiten wesentlich größeren Hochebene (1.240m) verlassen wir die Straße und überqueren die Ebene an einer Zisterne vorbei bis zum nördlichen Ende. Die Piste führt immer an ihrem Rande in einem weiten Bogen entlang. Nach weiteren ca. 100m erreichen wir ihr Ende. Nun wieder auf dem alten Weg über einen Sattel hinunter und an einer unter Kermeseichen gelegenen Zisterne vorbei. Vor uns zieht sich linkerhand ein langgezogener Rücken zum Gipfelmassiv des Kastro hinauf. Nach ca. 100m verlassen wir den Pfad und und laufen weglos links in den Taleinschnitt hinein. Das Gelände ist stark zerfurcht mit scharfkantigen Felspartien, die immer wieder von tiefen Löchern und Rissen durchzogen sind und mit der hier oben üblichen dornigen Phrygana überzogen sind. Eine gute halbe Stunde steigen wir in diesem Gelände nach oben, bis sich in ca. 1.500m Höhe ein weiter Kessel ausbreitet, dahinter das Massiv des Kastro mit drei fast gleich hohen Kegeln. Der Kamm, der den Kessel auf der rechten Seite begrenzt, zeigt unseren weiteren Aufstiegsweg. Teils auf dem breiten Rücken, teils auf schmalem Grat wandern wir aufwärts. Die Vegetation ist so gut wie verschwunden, wir steigen nur noch über Fels und Geröll. Westwärts verliert sich der Blick in einem endlosen Gewirr aus Felskegeln und Geröllfeldern.. wir sind in einer Steinwüste auf ca. 2.000m angekommen. Vor dem letzten Aufstieg queren wir unterhalb des ersten Kegels nach links auf gleicher Höhe in einen erst jetzt sichtbaren kleinen Kessel hinein. In der Mulde liegt ein kleinerTeich. Am mittleren, niedrigsten Kegel vorbei steigen wir über ein langes, steiles Geröllfeld bergauf. Wir treffen auf den Grat, der uns zum Plateau mit der Gipfelsäule bringt. Wir haben den östlichsten Punkt der Weißen Berge, den Kastro (2.280m) erreicht. Im Westen breiten sich Dutzende von Bergspitzen der sog. Lefka ori aus, die über 2.000m hoch sind. Tief eingefressene Schlünde und riesige Löcher durchsetzen den fesligen Untergrung, typische Karsterscheinungen eines Kalksteinmassivs. Im Süden die dunstige Küste und nur zu ahnen das Dorf Anopolis vor dem Blau des Libyschen Meeres und im Norden das hügelige Vorland mit üppigenTallandschaften.und im Dunst die Bucht von Georgioupolis. Der Rückweg führt uns direkt nach Osten, auf einem weiter rechts hinabziehenden Gratrücken auf die oberste Ebene hinab. Den Grat verfolgen wir, bis uns nach einem ebenen Stück ein steiler Abbruch zum Ausweichen in eine tiefer liegende Senke (rechts) zwingt. Dieser Senke folgen wir und steigen über Felsplatten durch kantige Felstürme und den vielen tiefen Löchern ausweichend, in diesem kleinen Einschnitt nach unten. Abschließend queren wir nun schon in flacherem Gelände durch dichtes Gebüsch und unter kleinen Bäumen auf die freie Ebene hinaus, nachdem wir wieder die Schotterstraße überquert haben. Über den schon bekannten Aufstiegsweg geht es in 1,5 Std. abwärts nach Ammoudari.


Besonderheiten:

Byzantinische Kirche in Alikambos mit schönen Fresken von Pagomenos aus der 14. Jahrhundert. Spezialität in der Sfakia (Askyfou-Hochebene) ist der Käsepfannkuchen mit Thymianhonig!

Copyright © 2015-2018 Michael Dirksen.
Stand: 06.01.2018